English: décolletage / Español: escote / Português: decote / Français: décolleté / Italiano: décolleté
Das **Dekolleté** bezeichnet in der Medizin den anatomischen Bereich der vorderen Brustwand, der sich zwischen Hals und Brustkorb erstreckt und insbesondere die obere Thoraxapertur sowie die angrenzenden Weichteile umfasst. Dieser Bereich ist nicht nur aus ästhetischer, sondern auch aus funktioneller und klinischer Perspektive von Bedeutung, da er Strukturen wie die Schlüsselbeine, das Brustbein, die oberen Rippen sowie die darunterliegenden Gefäße und Nerven beherbergt.
Allgemeine Beschreibung
Das Dekolleté stellt eine Übergangsregion zwischen Hals und Thorax dar und wird anatomisch durch die Claviculae (Schlüsselbeine), das Manubrium sterni (oberer Teil des Brustbeins) sowie die ersten Rippen begrenzt. Die Haut in diesem Bereich ist dünn, gut vaskularisiert und weist eine hohe Dichte an Talg- und Schweißdrüsen auf, was sie anfällig für dermatologische Veränderungen macht. Unter der Haut liegen subkutanes Fettgewebe, die Fascia pectoralis superficialis sowie die Musculi pectorales majores, die für die Konturierung der Brustwand verantwortlich sind.
Klinisch relevant ist das Dekolleté aufgrund seiner Nähe zu lebenswichtigen Strukturen wie der Arteria subclavia, der Vena brachiocephalica sowie dem Plexus brachialis. Verletzungen oder pathologische Prozesse in diesem Bereich können daher schwerwiegende Folgen haben, etwa bei Traumata, Tumorerkrankungen oder entzündlichen Prozessen. Zudem dient das Dekolleté als Zugangsort für medizinische Eingriffe, beispielsweise bei der Anlage zentraler Venenkatheter oder bei chirurgischen Interventionen im oberen Mediastinum.
Aus dermatologischer Sicht ist das Dekolleté eine Prädilektionsstelle für lichtinduzierte Hautschäden, da es häufig UV-Strahlung ausgesetzt ist. Dies führt zu einer erhöhten Inzidenz von aktinischen Keratosen, Basalzellkarzinomen und malignen Melanomen. Die dünne Haut und die geringe subkutane Fettschicht begünstigen zudem die Entstehung von Narben, Keloiden oder postinflammatorischen Hyperpigmentierungen.
Anatomische Details
Die anatomische Topografie des Dekolletés umfasst mehrere Schichten, die für diagnostische und therapeutische Maßnahmen von Bedeutung sind. Oberflächlich liegt die Haut mit der Epidermis und Dermis, gefolgt von der Subkutis, die Fettgewebe und Bindegewebssepten enthält. Darunter befindet sich die Fascia pectoralis superficialis, die den Musculus pectoralis major bedeckt. Dieser Muskel entspringt am Schlüsselbein, dem Brustbein und den Rippenknorpeln und setzt am Humerus an, wodurch er für die Adduktion und Innenrotation des Arms verantwortlich ist.
Tiefere Strukturen umfassen die Vena subclavia, die Arteria subclavia sowie den Plexus brachialis, der aus den ventralen Ästen der Spinalnerven C5 bis Th1 gebildet wird. Diese neurovaskulären Bündel verlaufen zwischen dem Musculus scalenus anterior und medius und sind bei Traumata oder operativen Eingriffen gefährdet. Zudem liegt das obere Mediastinum in unmittelbarer Nähe, das Organe wie die Trachea, den Ösophagus und die großen Gefäße des Herzens enthält.
Die Lymphdrainage des Dekolletés erfolgt über die axillären und supraklavikulären Lymphknoten, was bei der Metastasierung von Mammakarzinomen oder anderen malignen Erkrankungen von klinischer Relevanz ist. Die Kenntnis der lymphatischen Abflusswege ist essenziell für die Planung von Sentinel-Lymphknoten-Biopsien oder radikalen Lymphadenektomien.
Klinische Relevanz
Das Dekolleté ist in verschiedenen medizinischen Disziplinen von Bedeutung. In der Dermatologie stellt es eine häufige Lokalisation für phototoxische und photoallergische Reaktionen dar, die durch UV-Exposition ausgelöst werden. Chronische Sonnenexposition führt zu einer Elastose der Haut, die sich in Faltenbildung, Teleangiektasien und Pigmentstörungen äußert. Zudem ist das Dekolleté eine typische Region für die Entstehung von Plattenepithelkarzinomen, insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit heller Haut und langjähriger Sonnenexposition.
In der plastischen Chirurgie spielt das Dekolleté eine zentrale Rolle bei rekonstruktiven und ästhetischen Eingriffen. Nach Mastektomien wird das Dekolleté häufig als Spenderregion für Haut- und Weichteiltransplantate genutzt, beispielsweise bei der Rekonstruktion der Brust mit freien Lappenplastiken. Ästhetische Korrekturen umfassen die Behandlung von Narben, die Straffung der Haut oder die Entfernung von überschüssigem Fettgewebe mittels Liposuktion.
Aus onkologischer Sicht ist das Dekolleté ein wichtiger Bereich für die Früherkennung von Hauttumoren. Regelmäßige dermatoskopische Untersuchungen sind insbesondere bei Risikopatientinnen und -patienten indiziert, um maligne Melanome oder andere kutane Neoplasien frühzeitig zu erkennen. Zudem kann das Dekolleté bei systemischen Erkrankungen wie dem Morbus Paget der Brustwarze oder dem inflammatorischen Mammakarzinom betroffen sein, was eine interdisziplinäre Abklärung erfordert.
Normen und Standards
Die Beurteilung dermatologischer Veränderungen im Dekolleté erfolgt nach den Kriterien der ABCDE-Regel (Asymmetrie, Begrenzung, Colorit, Durchmesser, Evolution), die von der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) und der American Academy of Dermatology (AAD) empfohlen wird. Für die Klassifikation von Hauttumoren gelten die Richtlinien der Union for International Cancer Control (UICC), die eine standardisierte Einteilung nach TNM-System ermöglichen (Tumor, Nodus, Metastase).
Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen
Der Begriff Dekolleté wird häufig mit dem Brustbereich verwechselt, bezieht sich jedoch spezifisch auf die obere Thoraxapertur und die angrenzenden Weichteile. Im Gegensatz dazu umfasst die Brust (Mamma) die Milchdrüsen, das umgebende Fettgewebe und die Brustwarze, die nicht zum Dekolleté zählen. Eine weitere Abgrenzung ist zum Hals (Cervix) notwendig, der sich kranial des Dekolletés befindet und anatomisch durch den Unterkiefer und das Zungenbein begrenzt wird.
Anwendungsbereiche
- Dermatologie: Diagnostik und Therapie von Hautveränderungen wie aktinischen Keratosen, Basalzellkarzinomen oder malignen Melanomen. Zudem Behandlung von Narben, Keloiden oder postinflammatorischen Hyperpigmentierungen.
- Plastische Chirurgie: Rekonstruktive Eingriffe nach Mastektomien, ästhetische Korrekturen wie Hautstraffungen oder Fettabsaugungen sowie die Behandlung von Narbenkontrakturen.
- Onkologie: Früherkennung und Therapie von Hauttumoren, interdisziplinäre Abklärung bei systemischen Erkrankungen wie dem inflammatorischen Mammakarzinom.
- Traumatologie: Versorgung von Verletzungen der Haut, Weichteile oder knöchernen Strukturen, beispielsweise bei Schlüsselbeinfrakturen oder Rippenserienfrakturen.
- Intensivmedizin: Anlage zentraler Venenkatheter über die Vena subclavia oder Vena jugularis interna, die durch das Dekolleté verlaufen.
Risiken und Herausforderungen
- Hauttumoren: Das Dekolleté ist eine Prädilektionsstelle für maligne Hautveränderungen, insbesondere bei chronischer UV-Exposition. Die Früherkennung ist aufgrund der dünnen Haut und der Nähe zu lymphatischen Abflusswegen entscheidend.
- Narbenbildung: Operative Eingriffe oder Traumata können zu hypertrophen Narben oder Keloiden führen, die funktionelle und ästhetische Beeinträchtigungen verursachen.
- Neurovaskuläre Verletzungen: Bei chirurgischen Eingriffen oder Traumata besteht das Risiko einer Schädigung der Arteria subclavia, der Vena subclavia oder des Plexus brachialis, was zu schweren Komplikationen wie Blutungen oder neurologischen Ausfällen führen kann.
- Infektionen: Die dünne Haut und die hohe Dichte an Talgdrüsen begünstigen die Entstehung von bakteriellen oder pilzbedingten Infektionen, insbesondere bei immunsupprimierten Patientinnen und Patienten.
- Ästhetische Beeinträchtigungen: Altersbedingte Veränderungen wie Faltenbildung oder Pigmentstörungen können das Selbstbild der Betroffenen beeinträchtigen und psychische Belastungen verursachen.
Ähnliche Begriffe
- Prästernalregion: Bezeichnet den Bereich vor dem Brustbein (Sternum), der sich mit dem Dekolleté überschneidet, jedoch nicht die seitlichen Anteile der Schlüsselbeine umfasst.
- Fossa jugularis: Eine Vertiefung im oberen Teil des Brustbeins, die anatomisch zum Dekolleté gehört und als Landmarke für medizinische Eingriffe dient.
- Mamma: Die weibliche Brust, die sich kaudal an das Dekolleté anschließt und die Milchdrüsen sowie das umgebende Fettgewebe umfasst.
- Cervix: Der Hals, der sich kranial des Dekolletés befindet und anatomisch durch den Unterkiefer und das Zungenbein begrenzt wird.
Zusammenfassung
Das Dekolleté ist ein anatomisch und klinisch vielschichtiger Bereich, der sich zwischen Hals und Brustkorb erstreckt und Strukturen wie die Schlüsselbeine, das Brustbein sowie neurovaskuläre Bündel umfasst. Es ist in der Dermatologie, plastischen Chirurgie, Onkologie und Traumatologie von zentraler Bedeutung, da es sowohl für diagnostische als auch therapeutische Maßnahmen relevant ist. Aufgrund seiner Exposition gegenüber UV-Strahlung und seiner dünnen Haut ist das Dekolleté anfällig für Hauttumoren, Narbenbildung und ästhetische Beeinträchtigungen. Die Kenntnis der anatomischen Topografie und der klinischen Risiken ist essenziell für eine präzise Diagnostik und Therapie.
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