English: Subcutaneous adipose tissue / Español: Tejido adiposo subcutáneo / Português: Tecido adiposo subcutâneo / Français: Tissu adipeux sous-cutané / Italiano: Tessuto adiposo sottocutaneo
Das Unterhautfettgewebe ist eine spezialisierte Form des Fettgewebes, das sich zwischen der Haut (Cutis) und der darunterliegenden Muskulatur oder Knochenhaut (Periost) befindet. Es erfüllt essenzielle mechanische, thermoregulatorische und metabolische Funktionen im menschlichen Organismus. Als Teil des subkutanen Gewebes bildet es eine der drei Hauptkompartimente des Fettgewebes, neben dem viszeralen und dem intramuskulären Fett.
Allgemeine Beschreibung
Das Unterhautfettgewebe besteht primär aus Adipozyten, die in einem lockeren Bindegewebsnetz eingebettet sind. Diese Zellen speichern Triglyceride als Energiereserve und setzen bei Bedarf freie Fettsäuren und Glycerin frei. Die Verteilung des Unterhautfettgewebes variiert geschlechtsspezifisch: Während es bei Frauen häufig in den Hüften, Oberschenkeln und Gesäßregionen akkumuliert (gynoide Fettverteilung), lagert es sich bei Männern bevorzugt im abdominalen Bereich an (androide Fettverteilung). Diese Unterschiede sind hormonell bedingt und unterliegen genetischen sowie umweltbedingten Einflüssen.
Strukturell gliedert sich das Unterhautfettgewebe in zwei Schichten: die oberflächliche, faserreiche Stratum fibrosum und die tiefere, fettreiche Stratum adiposum. Die oberflächliche Schicht enthält kollagene und elastische Fasern, die für die mechanische Stabilität und Elastizität der Haut verantwortlich sind. Die tiefere Schicht dient hingegen primär als Energiespeicher und Isolationsschicht. Die Dicke des Unterhautfettgewebes schwankt je nach Körperregion, Ernährungszustand und individueller Konstitution zwischen wenigen Millimetern und mehreren Zentimetern.
Im Gegensatz zum viszeralen Fettgewebe, das eng mit metabolischen Erkrankungen wie dem metabolischen Syndrom assoziiert ist, gilt das Unterhautfettgewebe als weniger pathogen. Dennoch kann eine übermäßige Akkumulation, insbesondere in Kombination mit viszeralem Fett, das Risiko für Insulinresistenz, Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen erhöhen. Die Regulation des Unterhautfettgewebes erfolgt durch komplexe hormonelle und neuronale Signale, darunter Insulin, Leptin, Adiponektin und das sympathische Nervensystem.
Histologische und zelluläre Zusammensetzung
Das Unterhautfettgewebe setzt sich aus univakuolären Adipozyten zusammen, die durch eine einzelne, große Lipidvakuole gekennzeichnet sind. Diese Zellen sind von einer Basallamina umgeben und in Lobuli organisiert, die durch Septen aus kollagenem Bindegewebe getrennt werden. Neben Adipozyten finden sich im Unterhautfettgewebe Präadipozyten, Fibroblasten, Makrophagen, Endothelzellen und Nervenfasern. Die Vaskularisierung ist im Vergleich zum viszeralen Fettgewebe weniger ausgeprägt, jedoch ausreichend, um die metabolischen Bedürfnisse der Zellen zu decken.
Ein charakteristisches Merkmal des Unterhautfettgewebes ist seine Fähigkeit zur Hypertrophie und Hyperplasie. Während die Hypertrophie eine Vergrößerung der bestehenden Adipozyten durch vermehrte Lipidspeicherung beschreibt, bezeichnet die Hyperplasie die Neubildung von Fettzellen aus Präadipozyten. Diese Prozesse sind insbesondere während der kindlichen Entwicklung und bei chronischer positiver Energiebilanz von Bedeutung. Studien zeigen, dass die Hyperplasie im Unterhautfettgewebe stärker ausgeprägt ist als im viszeralen Fettgewebe, was möglicherweise dessen geringere metabolische Toxizität erklärt (Quelle: Rosen & Spiegelman, 2014, Cell Metabolism).
Funktionen des Unterhautfettgewebes
Das Unterhautfettgewebe erfüllt mehrere physiologische Funktionen, die über die reine Energiespeicherung hinausgehen. Eine der wichtigsten Aufgaben ist die thermische Isolation. Durch seine geringe Wärmeleitfähigkeit (ca. 0,2 W/(m·K)) reduziert es den Wärmeverlust über die Körperoberfläche und trägt so zur Aufrechterhaltung der Körpertemperatur bei. Diese Funktion ist besonders in kalten Umgebungen oder bei Neugeborenen von Bedeutung, deren Unterhautfettgewebe einen höheren Anteil an braunem Fettgewebe aufweist, das durch Thermogenese Wärme produziert.
Darüber hinaus dient das Unterhautfettgewebe als mechanischer Schutz für darunterliegende Strukturen wie Muskeln, Nerven und Blutgefäße. Es wirkt als Stoßdämpfer und verteilt Druckkräfte gleichmäßig, was beispielsweise bei der Polsterung von Gelenken oder der Vermeidung von Druckulzera eine Rolle spielt. In diesem Kontext ist das Unterhautfettgewebe der Fußsohlen besonders dick ausgebildet, um die Belastungen beim Gehen und Stehen abzufedern.
Metabolisch fungiert das Unterhautfettgewebe als endokrines Organ, das eine Vielzahl von Hormonen und Zytokinen, so genannte Adipokine, sezerniert. Zu den wichtigsten Adipokinen zählen Leptin, das den Appetit reguliert, und Adiponektin, das die Insulinsensitivität verbessert. Eine Dysregulation dieser Signalstoffe kann zu chronischen Entzündungsprozessen und metabolischen Störungen führen. Im Vergleich zum viszeralen Fettgewebe produziert das Unterhautfettgewebe weniger proinflammatorische Zytokine wie Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-α) und Interleukin-6 (IL-6), was seine geringere Assoziation mit systemischen Entzündungen erklärt.
Normen und Klassifikationen
Die Bewertung des Unterhautfettgewebes erfolgt in der klinischen Praxis häufig anhand anthropometrischer Messungen wie der Hautfaltendicke, die mit einem Caliper gemessen wird. Referenzwerte für die Hautfaltendicke sind in verschiedenen populationsbasierten Studien definiert, darunter die National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) in den USA. Eine weitere Methode zur Quantifizierung des Unterhautfettgewebes ist die bioelektrische Impedanzanalyse (BIA), die jedoch weniger präzise ist als bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) oder die Computertomographie (CT).
Die Klassifikation des Körperfettanteils erfolgt nach den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die zwischen normalem, übergewichtigem und adipösem Körperfettanteil unterscheidet. Für Erwachsene gelten folgende Grenzwerte: Ein Körperfettanteil von 25–30 % bei Männern und 30–35 % bei Frauen wird als normal angesehen, während Werte über 30 % (Männer) bzw. 35 % (Frauen) als Adipositas definiert sind. Diese Werte beziehen sich auf die Gesamtkörperfettmasse, die sich zu etwa 80 % aus Unterhautfettgewebe zusammensetzt (Quelle: WHO, 2000, Obesity: Preventing and Managing the Global Epidemic).
Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen
Das Unterhautfettgewebe wird häufig mit anderen Fettgewebstypen verwechselt, insbesondere mit dem viszeralen Fettgewebe und dem braunen Fettgewebe. Viszerales Fettgewebe befindet sich im Bauchraum und umgibt innere Organe wie Leber, Darm und Bauchspeicheldrüse. Im Gegensatz zum Unterhautfettgewebe ist es stark mit metabolischen Erkrankungen assoziiert und produziert vermehrt proinflammatorische Zytokine. Braunes Fettgewebe hingegen ist durch seine hohe Dichte an Mitochondrien und die Fähigkeit zur Thermogenese gekennzeichnet. Es kommt beim Menschen vor allem im Bereich des Nackens, der Schlüsselbeine und der Nieren vor und spielt eine untergeordnete Rolle im Vergleich zum weißen Unterhautfettgewebe.
Ein weiterer verwandter Begriff ist das ektopische Fettgewebe, das sich außerhalb der typischen Fettdepots ansammelt, beispielsweise in der Leber (Steatosis hepatis) oder im Muskelgewebe. Ektopisches Fett ist besonders gefährlich, da es direkt mit Insulinresistenz und Entzündungsprozessen in Verbindung gebracht wird. Im Gegensatz dazu gilt das Unterhautfettgewebe als weniger pathogen, sofern es nicht exzessiv vermehrt ist.
Anwendungsbereiche
- Klinische Diagnostik: Die Beurteilung des Unterhautfettgewebes ist ein zentraler Bestandteil der Adipositasdiagnostik. Methoden wie die Hautfaltendickenmessung, die bioelektrische Impedanzanalyse oder bildgebende Verfahren (MRT, CT) werden eingesetzt, um den Körperfettanteil und die Fettverteilung zu bestimmen. Diese Parameter sind entscheidend für die Risikostratifizierung von Patienten mit metabolischen Erkrankungen.
- Plastische und rekonstruktive Chirurgie: In der ästhetischen und rekonstruktiven Medizin wird Unterhautfettgewebe häufig für Transplantationen genutzt. Verfahren wie die Liposuktion oder die autologe Fetttransplantation ermöglichen die Umverteilung von Fettgewebe, beispielsweise zur Brustrekonstruktion nach Mastektomie oder zur Korrektur von Konturdefekten. Die hohe Regenerationsfähigkeit des Unterhautfettgewebes macht es zu einem idealen Gewebe für solche Eingriffe.
- Forschung und Pharmakologie: Das Unterhautfettgewebe ist ein wichtiges Modell in der Erforschung von Stoffwechselerkrankungen und der Entwicklung von Anti-Adipositas-Therapien. Studien zur Differenzierung von Adipozyten, zur Regulation der Lipolyse und zur Wirkung von Adipokinen werden häufig an Zellkulturen aus Unterhautfettgewebe durchgeführt. Darüber hinaus dient es als Applikationsort für subkutane Injektionen, beispielsweise von Insulin oder Wachstumshormonen.
- Sportmedizin und Ernährungswissenschaft: Die Analyse des Unterhautfettgewebes spielt eine Rolle bei der Bewertung des Ernährungszustands von Sportlerinnen und Sportlern sowie bei der Planung von Diät- und Trainingsinterventionen. Ein reduzierter Körperfettanteil kann die sportliche Leistung in Ausdauersportarten verbessern, während ein zu geringer Fettanteil, insbesondere bei Frauen, zu hormonellen Störungen wie der Female Athlete Triad führen kann.
Bekannte Beispiele
- Liposuktion: Die Liposuktion ist eines der häufigsten ästhetisch-chirurgischen Verfahren zur Entfernung von überschüssigem Unterhautfettgewebe. Dabei wird das Fettgewebe mittels Kanülen und Unterdruck abgesaugt. Die Methode wird vor allem an Bauch, Hüften, Oberschenkeln und Gesäß angewendet. Obwohl die Liposuktion primär kosmetischen Zwecken dient, kann sie in Einzelfällen auch medizinisch indiziert sein, beispielsweise bei Lipödemen, einer schmerzhaften Fettverteilungsstörung.
- Autologe Fetttransplantation: Bei diesem Verfahren wird Unterhautfettgewebe an einer Körperstelle entnommen und an einer anderen Stelle reinjiziert, um Volumendefekte auszugleichen. Anwendungsgebiete sind die Brustrekonstruktion nach Krebsoperationen, die Korrektur von Narben oder die Gesichtsverjüngung. Die Methode ist besonders beliebt, da sie im Vergleich zu synthetischen Implantaten ein natürliches Ergebnis liefert und das Risiko von Abstoßungsreaktionen minimiert.
- Fettabsaugung bei Lipödem: Das Lipödem ist eine chronische Erkrankung, die durch eine symmetrische Vermehrung des Unterhautfettgewebes an Beinen und Armen gekennzeichnet ist. Betroffen sind fast ausschließlich Frauen. Die Therapie umfasst konservative Maßnahmen wie Kompressionstherapie und manuelle Lymphdrainage sowie operative Verfahren wie die Liposuktion, die zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome führen kann (Quelle: Wold et al., 1951, Annals of Internal Medicine).
Risiken und Herausforderungen
- Metabolische Komplikationen: Obwohl das Unterhautfettgewebe weniger pathogen ist als viszerales Fett, kann eine exzessive Akkumulation zu metabolischen Störungen führen. Studien zeigen, dass ein erhöhter Körperfettanteil, insbesondere in Kombination mit viszeralem Fett, das Risiko für Insulinresistenz, Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen erhöht. Die genauen Mechanismen sind noch nicht vollständig verstanden, jedoch spielen chronische Entzündungsprozesse und eine gestörte Adipokinsekretion eine zentrale Rolle.
- Psychosoziale Auswirkungen: Eine übermäßige Vermehrung des Unterhautfettgewebes kann zu psychischen Belastungen führen, insbesondere wenn sie mit einer gestörten Körperwahrnehmung einhergeht. Adipositas ist häufig mit Stigmatisierung und Diskriminierung verbunden, was das Risiko für Depressionen und Angststörungen erhöht. Umgekehrt kann ein zu geringer Körperfettanteil, insbesondere bei Frauen, zu Zyklusstörungen und Osteoporose führen.
- Komplikationen bei chirurgischen Eingriffen: Verfahren wie die Liposuktion oder die autologe Fetttransplantation bergen Risiken wie Infektionen, Blutungen, Narbenbildung oder ungleichmäßige Konturen. In seltenen Fällen kann es zu schweren Komplikationen wie Fettembolien oder Nekrosen kommen. Die Wahl eines erfahrenen Chirurgen und eine sorgfältige Patientenselektion sind entscheidend, um diese Risiken zu minimieren.
- Therapieresistenz: Die Behandlung von Adipositas und damit verbundenen Fettverteilungsstörungen ist oft herausfordernd. Viele Patientinnen und Patienten erreichen trotz Diät und Bewegung keine nachhaltige Reduktion des Unterhautfettgewebes. Dies liegt unter anderem an genetischen Faktoren, hormonellen Dysregulationen und der Fähigkeit des Fettgewebes, sich an veränderte Bedingungen anzupassen. Neue Therapieansätze wie GLP-1-Rezeptoragonisten (z. B. Semaglutid) zeigen vielversprechende Ergebnisse, sind jedoch mit hohen Kosten und möglichen Nebenwirkungen verbunden.
Ähnliche Begriffe
- Viszerales Fettgewebe: Fettgewebe, das sich im Bauchraum befindet und innere Organe umgibt. Es ist stark mit metabolischen Erkrankungen assoziiert und produziert vermehrt proinflammatorische Zytokine. Im Gegensatz zum Unterhautfettgewebe ist es weniger gut durchblutet und weist eine höhere metabolische Aktivität auf.
- Braunes Fettgewebe: Ein spezialisierter Fettgewebstyp, der durch seine hohe Dichte an Mitochondrien und die Fähigkeit zur Thermogenese gekennzeichnet ist. Es kommt beim Menschen vor allem im Bereich des Nackens, der Schlüsselbeine und der Nieren vor und spielt eine untergeordnete Rolle im Vergleich zum weißen Unterhautfettgewebe.
- Lipödem: Eine chronische Fettverteilungsstörung, die fast ausschließlich Frauen betrifft und durch eine symmetrische Vermehrung des Unterhautfettgewebes an Beinen und Armen gekennzeichnet ist. Die Erkrankung geht häufig mit Schmerzen, Ödemen und einer erhöhten Neigung zu Hämatomen einher. Die Ursachen sind nicht vollständig geklärt, jedoch spielen hormonelle und genetische Faktoren eine Rolle.
- Adipokine: Hormone und Zytokine, die vom Fettgewebe sezerniert werden und eine Vielzahl von physiologischen Prozessen regulieren. Zu den bekanntesten Adipokinen zählen Leptin, das den Appetit hemmt, und Adiponektin, das die Insulinsensitivität verbessert. Eine Dysregulation der Adipokinsekretion ist mit metabolischen Erkrankungen assoziiert.
Zusammenfassung
Das Unterhautfettgewebe ist ein multifunktionales Gewebe, das mechanische, thermoregulatorische und metabolische Aufgaben erfüllt. Es besteht primär aus Adipozyten, die in einem lockeren Bindegewebsnetz organisiert sind, und variiert in seiner Verteilung geschlechtsspezifisch. Während es im Vergleich zum viszeralen Fettgewebe als weniger pathogen gilt, kann eine exzessive Akkumulation dennoch zu metabolischen und psychosozialen Komplikationen führen. Die klinische Bedeutung des Unterhautfettgewebes erstreckt sich von der Adipositasdiagnostik über die plastische Chirurgie bis hin zur pharmakologischen Forschung. Trotz seiner wichtigen Funktionen birgt es Risiken, insbesondere im Zusammenhang mit chirurgischen Eingriffen und chronischen Erkrankungen. Ein besseres Verständnis der zugrundeliegenden Mechanismen ist entscheidend für die Entwicklung effektiver Therapien.
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