English: Axillary lymph nodes / Español: Ganglios linfáticos axilares / Português: Linfonodos axilares / Français: Ganglions lymphatiques axillaires / Italiano: Linfonodi ascellari
Die Achselhöhlenlymphknoten (lateinisch: Nodi lymphoidei axillares) sind eine Gruppe von Lymphknoten, die in der Achselhöhle lokalisiert sind und eine zentrale Rolle im lymphatischen System des menschlichen Körpers spielen. Sie dienen als Filterstation für die Lymphe aus dem Arm, der Brustwand, der Brustdrüse sowie Teilen des Rückens und der Schulter. Aufgrund ihrer anatomischen Lage und Funktion sind sie von besonderer klinischer Relevanz, insbesondere in der Diagnostik und Therapie von Brustkrebs und anderen Erkrankungen des lymphatischen Systems.
Allgemeine Beschreibung
Die Achselhöhlenlymphknoten bilden einen Teil des peripheren lymphatischen Systems und sind in die axilläre Lymphknotengruppe eingebettet. Diese Gruppe umfasst in der Regel zwischen 20 und 40 einzelne Lymphknoten, die in fünf anatomische Untergruppen unterteilt werden: die lateralen (humeralen), pektoralen (vorderen), subskapulären (hinteren), zentralen und apikalen Lymphknoten. Die genaue Anzahl und Verteilung kann individuell variieren, wobei die anatomische Klassifikation nach Berg (1955) in der klinischen Praxis weit verbreitet ist.
Die Lymphknoten bestehen aus lymphatischem Gewebe, das von einer bindegewebigen Kapsel umgeben ist. Im Inneren befinden sich Lymphfollikel, in denen B-Lymphozyten reifen, sowie parakortikale Zonen, die reich an T-Lymphozyten sind. Die afferenten Lymphgefäße leiten die Lymphe aus den drainierten Körperregionen in die Lymphknoten, wo sie gefiltert und von Antigenen, Pathogenen oder Tumorzellen gereinigt wird. Die efferenten Lymphgefäße transportieren die gefilterte Lymphe weiter in Richtung des venösen Blutkreislaufs, meist über den Ductus lymphaticus dexter oder den Ductus thoracicus.
Die Achselhöhlenlymphknoten sind eng mit dem venösen System verbunden, insbesondere mit der Vena axillaris, was ihre chirurgische Präparation bei Eingriffen wie der axillären Lymphadenektomie erschwert. Ihre Lage in unmittelbarer Nähe zu Nervenstrukturen wie dem Plexus brachialis und Blutgefäßen wie der Arteria axillaris erfordert bei operativen Eingriffen eine präzise anatomische Kenntnis, um Komplikationen wie Lymphödeme oder Nervenschäden zu vermeiden.
Anatomische und funktionelle Details
Die Achselhöhlenlymphknoten werden nach ihrer topografischen Lage in die folgenden Untergruppen eingeteilt, die jeweils spezifische Drainagegebiete abdecken:
- Laterale (humerale) Lymphknoten: Diese Gruppe liegt entlang der Vena axillaris und drainiert primär die Lymphe aus dem Arm. Sie sind die ersten Filterstationen für Pathogene oder Tumorzellen, die aus der oberen Extremität stammen.
- Pektorale (vordere) Lymphknoten: Lokalisiert an der lateralen Brustwand, insbesondere entlang der Arteria thoracica lateralis, drainieren sie die Lymphe aus der Brustdrüse, der vorderen Brustwand und der oberen Bauchwand. Diese Gruppe ist von besonderer Bedeutung bei der Metastasierung von Mammakarzinomen.
- Subskapuläre (hintere) Lymphknoten: Diese Lymphknoten liegen entlang der Arteria subscapularis und drainieren die Lymphe aus dem Rücken, der Schulter und der hinteren Brustwand.
- Zentrale Lymphknoten: Eingebettet in das axilläre Fettgewebe, erhalten sie Lymphe aus den drei zuvor genannten Gruppen und leiten sie weiter zu den apikalen Lymphknoten.
- Apikale (infraklavikuläre) Lymphknoten: Diese Gruppe liegt oberhalb der Vena axillaris und unterhalb des Schlüsselbeins. Sie drainieren die Lymphe aus allen anderen axillären Lymphknotengruppen und leiten sie in den Ductus lymphaticus dexter oder den Ductus thoracicus weiter.
Die funktionelle Bedeutung der Achselhöhlenlymphknoten liegt in ihrer Rolle als immunologische Barriere. Sie filtern Pathogene wie Bakterien oder Viren aus der Lymphe und initiieren eine adaptive Immunantwort durch die Aktivierung von B- und T-Lymphozyten. Darüber hinaus sind sie an der Metastasierung von malignen Tumoren beteiligt, insbesondere bei Brustkrebs, wo sie als erste Station für die Ausbreitung von Tumorzellen dienen. Die histologische Untersuchung entnommener Lymphknoten, beispielsweise im Rahmen einer Sentinel-Lymphknoten-Biopsie, ist daher ein zentraler Bestandteil der onkologischen Diagnostik und Therapieplanung.
Klinische Relevanz
Die Achselhöhlenlymphknoten sind von herausragender Bedeutung in der Diagnostik und Therapie verschiedener Erkrankungen. Ihre Untersuchung erfolgt häufig im Rahmen der klinischen Palpation, der bildgebenden Diagnostik (z. B. Sonografie, Magnetresonanztomografie oder Positronenemissionstomografie) sowie durch invasive Verfahren wie die Feinnadelaspiration oder die chirurgische Biopsie. Die folgenden klinischen Szenarien verdeutlichen ihre Relevanz:
Bei entzündlichen Prozessen, wie beispielsweise einer bakteriellen Infektion der oberen Extremität oder der Brustdrüse, kommt es häufig zu einer schmerzhaften Schwellung der Achselhöhlenlymphknoten (Lymphadenitis). Diese ist in der Regel reversibel und bildet sich nach erfolgreicher Behandlung der Grunderkrankung zurück. Im Gegensatz dazu kann eine persistierende, schmerzlose Lymphknotenschwellung ein Hinweis auf eine maligne Erkrankung sein, insbesondere auf ein Mammakarzinom oder ein Lymphom. In solchen Fällen ist eine weiterführende Diagnostik, einschließlich einer histologischen Untersuchung, unerlässlich.
In der onkologischen Chirurgie spielt die axilläre Lymphadenektomie eine zentrale Rolle bei der Behandlung von Brustkrebs. Dabei werden die Achselhöhlenlymphknoten teilweise oder vollständig entfernt, um eine Metastasierung zu verhindern oder zu kontrollieren. Die Sentinel-Lymphknoten-Biopsie, bei der nur der erste drainierende Lymphknoten (Sentinel-Lymphknoten) entfernt und untersucht wird, hat die radikale Lymphadenektomie in vielen Fällen ersetzt. Dies reduziert das Risiko von Komplikationen wie Lymphödemen oder Bewegungseinschränkungen des Arms, die bei einer vollständigen Entfernung der Lymphknoten auftreten können.
Die Klassifikation der Lymphknotenmetastasierung erfolgt nach dem TNM-System der Union for International Cancer Control (UICC), wobei das Vorhandensein und die Anzahl befallener Lymphknoten einen entscheidenden Einfluss auf die Prognose und die Wahl der Therapie haben. Beispielsweise wird bei einem Mammakarzinom zwischen pN0 (keine regionären Lymphknotenmetastasen), pN1 (Metastasen in 1–3 axillären Lymphknoten) und pN2 (Metastasen in 4–9 axillären Lymphknoten) unterschieden.
Normen und Standards
Die anatomische und klinische Beschreibung der Achselhöhlenlymphknoten folgt internationalen Standards, insbesondere der Terminologia Anatomica (TA), die von der Federative International Programme for Anatomical Terminology (FIPAT) herausgegeben wird. Für die onkologische Klassifikation ist das TNM-System der UICC maßgeblich, das regelmäßig aktualisiert wird (zuletzt 2017 in der 8. Auflage). Die Sentinel-Lymphknoten-Biopsie wird gemäß den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) sowie der American Society of Clinical Oncology (ASCO) durchgeführt.
Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen
Die Achselhöhlenlymphknoten werden häufig mit anderen Lymphknotengruppen verwechselt oder in einem ähnlichen Kontext genannt. Die folgenden Begriffe sind abzugrenzen:
- Supraklavikuläre Lymphknoten: Diese Lymphknoten liegen oberhalb des Schlüsselbeins und drainieren die Lymphe aus dem Brustkorb, dem Hals und den Armen. Sie sind nicht Teil der axillären Lymphknotengruppe, können jedoch bei fortgeschrittenen malignen Erkrankungen ebenfalls befallen sein.
- Zervikale Lymphknoten: Diese Gruppe befindet sich im Halsbereich und drainiert die Lymphe aus Kopf und Hals. Sie sind anatomisch und funktionell von den Achselhöhlenlymphknoten getrennt, können jedoch bei systemischen Erkrankungen wie Lymphomen ebenfalls betroffen sein.
- Inguinale Lymphknoten: Diese Lymphknoten liegen in der Leistenregion und drainieren die Lymphe aus den unteren Extremitäten, dem Genitalbereich und dem unteren Bauch. Sie sind nicht mit den Achselhöhlenlymphknoten verbunden, weisen jedoch ähnliche Funktionen und klinische Relevanz auf.
Anwendungsbereiche
- Onkologie: Die Achselhöhlenlymphknoten sind von zentraler Bedeutung in der Diagnostik und Therapie von Brustkrebs. Ihre Untersuchung ermöglicht die Stadieneinteilung der Erkrankung und beeinflusst die Wahl der Therapie, einschließlich der Entscheidung für eine Chemotherapie, Strahlentherapie oder chirurgische Intervention.
- Infektiologie: Bei bakteriellen oder viralen Infektionen der oberen Extremität oder der Brustdrüse dienen die Achselhöhlenlymphknoten als Indikator für die Ausbreitung der Infektion. Eine schmerzhafte Schwellung kann auf eine Lymphadenitis hinweisen, die eine antibiotische oder antivirale Behandlung erfordert.
- Chirurgie: In der plastischen und rekonstruktiven Chirurgie, insbesondere nach Mastektomien, ist die Schonung der Achselhöhlenlymphknoten entscheidend, um Komplikationen wie Lymphödeme zu vermeiden. Die Sentinel-Lymphknoten-Biopsie hat hier die radikale Lymphadenektomie weitgehend ersetzt.
- Bildgebende Diagnostik: Die Sonografie, Magnetresonanztomografie und Positronenemissionstomografie werden eingesetzt, um die Achselhöhlenlymphknoten darzustellen und pathologische Veränderungen wie Metastasen oder Lymphome zu identifizieren.
Risiken und Herausforderungen
- Lymphödem: Die Entfernung oder Schädigung der Achselhöhlenlymphknoten, beispielsweise im Rahmen einer axillären Lymphadenektomie, kann zu einem Lymphödem des Arms führen. Dies ist eine chronische Schwellung, die durch den gestörten Lymphabfluss entsteht und mit Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und einem erhöhten Infektionsrisiko einhergeht. Die Prävention und Behandlung erfordern eine multidisziplinäre Herangehensweise, einschließlich manueller Lymphdrainage, Kompressionstherapie und physiotherapeutischer Maßnahmen.
- Nervenschäden: Bei chirurgischen Eingriffen in der Achselhöhle besteht das Risiko einer Schädigung des Plexus brachialis oder anderer Nervenstrukturen. Dies kann zu Sensibilitätsstörungen, Muskelschwäche oder Lähmungen führen. Eine präzise anatomische Kenntnis und schonende Operationstechniken sind entscheidend, um solche Komplikationen zu vermeiden.
- Falsch-negative Befunde: Bei der Sentinel-Lymphknoten-Biopsie besteht das Risiko, dass nicht alle befallenen Lymphknoten identifiziert werden, was zu einer Unterschätzung des Tumorstadiums führen kann. Dies kann die Wahl der Therapie beeinflussen und die Prognose verschlechtern. Die Verwendung von Farbstoffen oder radioaktiven Markern soll die Genauigkeit des Verfahrens erhöhen.
- Infektionen: Nach operativen Eingriffen in der Achselhöhle besteht ein erhöhtes Risiko für postoperative Infektionen, insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit geschwächtem Immunsystem. Eine sorgfältige Wundpflege und antibiotische Prophylaxe sind daher essenziell.
- Psychosoziale Belastung: Die Diagnose einer Lymphknotenmetastasierung, beispielsweise bei Brustkrebs, kann eine erhebliche psychische Belastung darstellen. Betroffene benötigen häufig eine supportive Therapie, um mit den emotionalen und sozialen Folgen der Erkrankung umzugehen.
Zusammenfassung
Die Achselhöhlenlymphknoten sind eine essenzielle Komponente des lymphatischen Systems und spielen eine zentrale Rolle in der Immunabwehr sowie in der Diagnostik und Therapie von Erkrankungen wie Brustkrebs und Lymphomen. Ihre anatomische Lage und funktionelle Bedeutung erfordern eine präzise klinische und chirurgische Handhabung, um Komplikationen wie Lymphödeme oder Nervenschäden zu vermeiden. Die Sentinel-Lymphknoten-Biopsie hat die onkologische Chirurgie revolutioniert, indem sie eine gezielte Untersuchung ermöglicht und das Risiko von Folgeerkrankungen reduziert. Die Klassifikation nach dem TNM-System und die Einhaltung internationaler Standards sind entscheidend für eine erfolgreiche Therapieplanung. Trotz der Fortschritte in der Diagnostik und Behandlung bleiben Herausforderungen wie das Lymphödemrisiko und die psychische Belastung der Betroffenen bestehen, die eine interdisziplinäre Betreuung erfordern.
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