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Ein Infarkt bezeichnet das Absterben von Gewebe aufgrund einer plötzlichen Unterbrechung der Blutversorgung. Dieser lebensbedrohliche Zustand kann verschiedene Organe betreffen und erfordert in den meisten Fällen eine sofortige medizinische Intervention. Die Ursachen, Symptome und Therapieansätze variieren je nach betroffenem Organ und Ausmaß der Schädigung.
Allgemeine Beschreibung
Ein Infarkt entsteht, wenn ein Blutgefäß, das ein Organ oder Gewebe mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, plötzlich verschlossen wird. Dieser Verschluss wird meist durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) oder eine Embolie verursacht, seltener durch eine starke Verengung der Gefäße (Stenose) oder einen Krampf der Gefäßmuskulatur (Vasospasmus). Ohne ausreichende Durchblutung kommt es innerhalb weniger Minuten bis Stunden zu einem irreversiblen Zelltod (Nekrose) im betroffenen Bereich.
Die Folgen eines Infarkts hängen von der Größe des betroffenen Gebiets und der Funktion des Organs ab. Im Herzmuskel (Myokardinfarkt) führt dies zu einer eingeschränkten Pumpleistung, im Gehirn (Hirninfarkt) zu neurologischen Ausfällen, und in der Lunge (Lungeninfarkt) zu Atemnot und Gasaustauschstörungen. Die Diagnose erfolgt in der Regel durch klinische Symptome, Bildgebung (z. B. CT, MRT) und Laboruntersuchungen, bei denen spezifische Marker wie Troponin (Herz) oder D-Dimere (Lunge) erhöht sind.
Die Akuttherapie zielt darauf ab, die Durchblutung so schnell wie möglich wiederherzustellen. Bei einem Herzinfarkt wird dies oft durch eine perkutane koronare Intervention (PCI) oder eine Thrombolyse erreicht. Bei einem Schlaganfall kann eine systemische oder lokale Lysetherapie oder eine mechanische Thrombektomie eingesetzt werden. Langfristig sind Sekundärprävention und Rehabilitation entscheidend, um erneute Ereignisse zu verhindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Risikofaktoren für einen Infarkt umfassen arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus, Rauchen, Fettstoffwechselstörungen und genetische Prädisposition. Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und Verzicht auf Nikotin kann das Risiko deutlich senken. Dennoch bleibt der Infarkt eine der häufigsten Todesursachen weltweit, insbesondere in Industrienationen mit hoher Lebenserwartung und ungesunden Lebensgewohnheiten.
Pathophysiologie
Die Entstehung eines Infarkts folgt einem klaren pathophysiologischen Muster. Zunächst kommt es zu einer Minderdurchblutung (Ischämie), die innerhalb von 20 bis 40 Minuten zu einer irreversiblen Schädigung der Zellen führt, wenn keine Reperfusion erfolgt. Dieser Prozess wird als ischämische Kaskade bezeichnet und umfasst Energiemangel, Ansammlung von Metaboliten wie Laktat, Azidose und schließlich den Zusammenbruch der Zellmembranen.
Im Herzmuskel führt die Ischämie zu einer Störung der elektrischen Erregungsleitung, was Arrhythmien oder sogar Kammerflimmern auslösen kann. Im Gehirn kommt es durch den Sauerstoffmangel zu einem Ödem, das den intrakraniellen Druck erhöht und weitere Schädigungen verursacht. Die Freisetzung von Entzündungsmediatoren wie Zytokinen und die Aktivierung des Komplementsystems verstärken die lokale Gewebeschädigung und können systemische Auswirkungen haben, etwa ein Multiorganversagen.
Die Reperfusion selbst kann zusätzliche Schäden verursachen, das sogenannte Reperfusionssyndrom. Dabei entstehen reaktive Sauerstoffspezies (ROS), die oxidative Schäden an Proteinen, Lipiden und der DNA hervorrufen. Dieser Prozess wird als Ischämie-Reperfusions-Schaden bezeichnet und kann durch antioxidative Therapien oder kontrollierte Reperfusion gemildert werden. Moderne Ansätze wie die hypotherme Behandlung (Kühlung) des Gehirns nach einem Schlaganfall zielen darauf ab, diesen Schaden zu begrenzen.
Klinische Klassifikation
Infarkte werden nach dem betroffenen Organ und der Ursache klassifiziert. Der Myokardinfarkt (Herzinfarkt) ist der bekannteste und wird nach der ST-Strecken-Hebung im EKG in STEMI (ST-Elevations-Myokardinfarkt) und NSTEMI (Non-ST-Elevations-Myokardinfarkt) unterteilt. Ein Hirninfarkt (ischämischer Schlaganfall) wird nach der betroffenen Arterie (z. B. Mediainfarkt) oder der Ätiologie (z. B. kardioembolisch, atherothrombotisch) unterschieden.
Weitere Formen sind der Lungeninfarkt, meist durch eine Lungenembolie verursacht, der Darminfarkt (Mesenterialinfarkt) bei Verschluss der Darmgefäße, und der Niereninfarkt, der zu akutem Nierenversagen führen kann. Seltenere Formen umfassen den Milzinfarkt, oft asymptomatisch, und den Knocheninfarkt, der bei Sichelzellanämie oder schwerer Arteriosklerose auftritt. Jede Form erfordert eine spezifische diagnostische und therapeutische Herangehensweise.
Die Modifizierte Rankin-Skala wird häufig verwendet, um die funktionellen Auswirkungen eines Hirninfarkts zu bewerten, während die Killip-Klassifikation die Schwere eines Herzinfarkts anhand klinischer Zeichen wie Lungenstauung oder Schock einstuft. Diese Klassifikationen sind essenziell für die Prognose und Therapieplanung.
Anwendungsbereiche
- Kardiologie: Diagnose und Behandlung des Myokardinfarkts durch Koronarangiographie, Stent-Implantation oder Bypass-Operationen. Die Kardiologie nutzt Biomarker wie Troponin T und I zur Früherkennung und Risikostratifizierung.
- Neurologie: Akuttherapie des ischämischen Schlaganfalls durch Thrombolyse mit Alteplase oder mechanische Thrombektomie. Neurologische Rehabilitation zielt auf die Wiedererlangung motorischer und kognitiver Funktionen ab.
- Angiologie: Behandlung von peripheren arteriellen Verschlusskrankheiten (pAVK), die zu Infarkten in Extremitäten führen können. Therapien umfassen Gefäßerweiterung, Thrombendarteriektomie oder Amputationen im Spätstadium.
- Intensivmedizin: Management von Infarktkomplikationen wie kardiogenem Schock, Arrhythmien oder erhöhtem intrakraniellem Druck. Hier kommen Katecholamine, mechanische Kreislaufunterstützung (z. B. ECMO) oder neuroprotektive Maßnahmen zum Einsatz.
- Präventivmedizin: Primär- und Sekundärprävention durch Blutdruckkontrolle, Statine, Antikoagulantien und Lebensstilmodifikation, um das Infarktrisiko langfristig zu senken.
Bekannte Beispiele
- STEMI (ST-Elevations-Myokardinfarkt): Ein akuter Verschluss einer Koronararterie, der im EKG durch eine ST-Strecken-Hebung erkennbar ist und eine sofortige Reperfusion erfordert. Häufig durch einen Thrombus auf einer rupturierten atherosklerotischen Plaque verursacht.
- Mediainfarkt: Ein Hirninfarkt im Versorgungsgebiet der Arteria cerebri media, der zu kontralateraler Hemiplegie, Aphasie (bei linksseitiger Läsion) oder Neglect (bei rechtsseitiger Läsion) führt. Eine der häufigsten Schlaganfallformen.
- Lungenembolie mit Infarkt: Verschluss einer Lungenarterie durch ein Gerinnsel (meist aus den tiefen Beinvenen), der zu einem keilförmigen Infarkt im Lungengewebe führt. Symptome umfassen plötzliche Dyspnoe, Thoraxschmerzen und Husten.
- Mesenterialinfarkt: Akuter Verschluss der Arteria mesenterica superior, der zu einer nekrotisierenden Ischämie des Darms führt. Eine lebensbedrohliche Erkrankung mit hoher Mortalität, die eine sofortige chirurgische Intervention erfordert.
- Silent Infarcts (stumme Infarkte): Infarkte, insbesondere im Gehirn oder Myokard, die keine akuten Symptome verursachen, aber langfristig zu kognitiven Einschränkungen oder Herzinsuffizienz führen können. Häufig bei Diabetes oder älteren Patienten.
Risiken und Herausforderungen
- Zeitkritische Diagnose: Die Prognose eines Infarkts hängt entscheidend von der Zeit bis zur Behandlung ab ("Time is brain" beim Schlaganfall, "Time is muscle" beim Herzinfarkt). Verzögerungen durch späte Symptomerkennung oder logistische Hürden verschlechtern das Outcome.
- Reperfusionsschaden: Die Wiederherstellung der Durchblutung kann paradoxerweise zusätzliche Schäden verursachen, etwa durch oxidative Stressreaktionen oder Entzündungen. Dies erfordert sorgfältige Überwachung und ggf. adjuvante Therapien.
- Langzeitfolgen: Selbst nach erfolgreicher Akutbehandlung können Infarkte zu chronischen Erkrankungen führen, z. B. Herzinsuffizienz nach Myokardinfarkt oder Demenz nach wiederholten Hirninfarkten. Rehabilitation und Sekundärprävention sind daher essenziell.
- Therapieresistenz: Bei manchen Patienten sprechen Thromben nicht auf Lysetherapie an, oder es kommt zu Reokklusionen. Mechanische Verfahren wie Thrombektomie oder Stent-Implantation sind dann notwendig, aber nicht immer verfügbar.
- Sozioökonomische Faktoren: Das Infarktrisiko ist in sozial benachteiligten Gruppen höher, etwa durch eingeschränkten Zugang zu Präventionsmaßnahmen oder Akutversorgung. Aufklärung und flächendeckende medizinische Versorgung bleiben globale Herausforderungen.
- Komorbiditäten: Begleiterkrankungen wie Diabetes, Niereninsuffizienz oder gerinnungsfördernde Zustände (z. B. Vorhofflimmern) erschweren die Therapie und erhöhen das Risiko für Komplikationen wie Blutungen unter Antikoagulation.
Ähnliche Begriffe
- Ischämie: Eine Minderdurchblutung von Gewebe, die noch reversibel ist, wenn sie kurzfristig besteht. Im Gegensatz zum Infarkt führt sie nicht zwangsläufig zum Zelltod, kann aber bei anhaltender Dauer in einen Infarkt übergehen.
- Nekrose: Der irreversible Untergang von Zellen oder Gewebe, der durch verschiedene Ursachen (nicht nur Ischämie) ausgelöst werden kann, z. B. Toxine, Trauma oder Infektionen. Der Infarkt ist eine spezifische Form der Nekrose.
- Embolie: Der Verschluss eines Blutgefäßes durch einen mit dem Blutstrom verschleppten Pfropf (Embolus), z. B. ein Thrombus, Fett oder Luft. Eine häufige Ursache für Infarkte, insbesondere in Lunge oder Gehirn.
- Thrombose: Die lokale Bildung eines Blutgerinnsels in einem Gefäß, das den Blutfluss behindert. Thrombosen in Koronar- oder Hirnarterien sind die Hauptursache für Myokard- bzw. Hirninfarkte.
- Apoplex: Ein veralteter Begriff für Schlaganfall, der sowohl ischämische Infarkte als auch Hirnblutungen umfasst. Heute wird präzise zwischen ischämischem und hämorrhagischem Schlaganfall unterschieden.
- Angina pectoris: Ein vorübergehender Sauerstoffmangel des Herzmuskels, der zu Brustschmerzen führt, aber keine Nekrose verursacht (im Gegensatz zum Infarkt). Sie gilt als Warnzeichen für ein erhöhtes Infarktrisiko.
Artikel mit 'Infarkt' im Titel
- Herzinfarkt: Beim Herzinfarkt (Myocardinfarkt) liegt eine schwere Schädigung eines Herzmuskelbezirkes mit Untergang von Herzmuskelgewebe vor. Dort herrscht ein lokaler, ausgeprägter Sauerstoffmangel, meist als Folge eines . . .
- Myocardinfarkt: Myocardinfarkt: Myokardinfarkt (auch Herzinfarkt genannt) bezeichnet das Absterben eines Teils des Herzmuskels (Myokard) infolge einer plötzlichen Unterbrechung der Blutversorgung . . .
- Reinfarkt: Der Reinfarkt ist ein erneutes Auftreten eines Herzinfarktes nach überstandenem Herzinfarkt. Es ist statistisch gesichert, dass eine erneute Reinfarkt-Häufigkeit vorliegt, wenn das relative Herzvolumen vergrößert ist, bei . . .
Zusammenfassung
Ein Infarkt ist ein medizinischer Notfall, der durch den plötzlichen Verschluss eines Blutgefäßes und das darauffolgende Absterben von Gewebe gekennzeichnet ist. Die häufigsten Formen betreffen Herz, Gehirn und Lunge, wobei die Symptome und Therapien organspezifisch variieren. Die Pathophysiologie umfasst Ischämie, Nekrose und mögliche Reperfusionsschäden, die durch moderne Behandlungsmethoden wie Thrombolyse oder mechanische Rekanalisation gemildert werden können. Risikofaktoren wie Hypertonie, Diabetes und Rauchen unterstreichen die Bedeutung der Prävention, während zeitnahe Diagnose und Therapie die Prognose entscheidend verbessern.
Trotz Fortschritten in der Medizin bleibt der Infarkt eine der führenden Todesursachen, was die Notwendigkeit von Aufklärung, Forschung und verbessertem Zugang zu Akutversorgung betont. Langfristige Rehabilitation und Sekundärprävention sind entscheidend, um Folgeschäden zu minimieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten.
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