Mundgeruch (Halitosis) ist unangenehmer Geruch des Atems bzw. der Ausatemluft.

Die normale Ausatemluft des Menschen enthält etwa 78 % Stickstoff, 17 % Sauerstoff, 4 % Kohlendioxid und nur etwa 1 % sonstige Gase. Dieses eine Prozent kann jedoch stark geruchsaktive flüchtige Verbindungen enthalten, sodass trotz des geringen Volumenanteils der Geruch der Ausatemluft als unangenehm oder gar unerträglich empfunden wird.

Als Auslöser von Mundgeruch kommen orale, extraorale oder systemische Ursachen in Betracht.

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Orale Ursachen

In 85–90 % der Fälle liegen Zungenbelag, und damit mit Abstand die häufigste Ursache für Halitosis, besonders ausgeprägt bei der Lingua plicata und der schwarzen Haarzunge.

Weitere Ursachen sind:

  • Parodontitis marginalis,
  • offene Karies,
  • mangelhafte Mundhygiene,
  • lokale Infektionen
    • Candidiasis,
    • Dentitio difficilis, 
    • Gingivitis,
    • Periimplantitis
  • ungepflegter abnehmbarer Zahnersatz
  • Genuss von Alkohol (auch bei alkoholhaltigen Mundwassern)
  • Rauchen
  • Nahrungs- und Genussmittel (Knoblauch, Zwiebel)
  • schwefelhaltige Medikamente (Disulfiram, Dimethylsulfoxid)
  • Mundtrockenheit (Xerostomie; bei normalen Sprechberufen weit verbreitet)
  • Abmagerungskur; durch die Nahrungskarenz fehlt die natürliche Selbstreinigung von Mund und Rachen
  • Tonsillensteine; sind wenige Millimeter große Gebilde in den Tonsillen im Rachenraum von weiß-gelblicher Farbe und kalkig-mürber Konsistenz, die einen üblen, penetranten Geruch verbreiten

Extraorale Ursachen

  • Die häufigsten extraoralen Ursachen für Halitosis finden sich im HNO-Bereich. Sie machen etwa 5–8 % aller Ursachen aus. Davon wiederum sind Tonsillitis (ca. 2⁄3) und Sinusitis (ca. 1⁄5) die häufigsten Ursachen.
  • Diphtherie, eine Infektion der oberen Atemwege, bewirkt häufig einen faulig-süßlichen Geruch der Atemluft.
  • Bronchiektasen,
  • Lungengangrän

Systemische Ursachen

Der Magen-Darm-Trakt ist als mögliche Ursache für Mundgeruch – prozentual betrachtet (< 0,1 %) – irrelevant.

Allgemeinerkrankungen:

  • Diabetes mellitus (Azetongeruch bei beginnender Azidose und somit bei beginnendem Coma diabeticum)
  • Hiatushernie
  • Lebererkrankungen: Leberzirrhose, Hepatische Enzephalopathie (Foetor hepaticus: „leberartiger Geruch“)
  • chronisches oder akutes Nierenversagen (Foetor uraemicus, „urinöse Atemluft“, bei Urämie)
  • Zenker-Divertikel
  • Magenentzündung (Gastritis, vor allem bei Anazidität)
  • Störung der Darmflora (durch Nahrungsmittelallergien etc.)
  • Ketose (meist durch anhaltenden Hunger bzw. längere Nahrungskarenz)
  • alltägliche Eindiffusion von Darmgasen in den Blutkreislauf und Respiration durch die Lunge

Diagnose

Mundgeruch-Patienten können den Geruch des eigenen Atems selbst oft nicht wahrnehmen, da der Geruchssinn nur auf Veränderungen der Konzentration eines Duftstoffes anspricht. Abhilfe versprechen kleine Atemmessgeräte, mit denen angeblich der Schwefelgehalt der Ausatmungsluft festgestellt werden kann.

  • Organoleptische Diagnostik
  • Gaschromatographie mittels Sulfid-Monitor (Messung der Konzentration flüchtiger Schwefelverbindungen)
  • Diagnostik durch HNO-Arzt
  • ggf. internistische Untersuchung zum Ausschluss einer Allgemeinerkrankung
  • Biomarker

Flüchtige Stoffe im Atem können als Biomarker auf das Vorhandensein von Erkrankungen hinweisen, z. B. Ketokörper auf Diabetes mellitus. Manche Geruchsstoffe geben spezifische Hinweise auf Tumorerkrankungen. Da die ärztliche Nase oft nicht sensibel genug für deren Wahrnehmung ist, können speziell ausgebildete Hunde oder Chemosensoren zu deren Erfassung eingesetzt werden. Jedoch ist der Einsatz solcher Schnüffelmethoden begrenzt, denn flüchtige Stoffe kommen auch in der Umwelt vor, oft sogar in höherer Konzentration, die Produktion flüchtiger Stoffe ist individuell sehr unterschiedlich, außerdem entstehen sie meist erst als Sekundärmetaboliten und sind daher weniger spezifisch. Andere Verfahren sind häufig präziser und wirtschaftlicher. Als sinnvolle diagnostische Anwendungsgebiete der Atemtestung gelten derzeit:

  • der Nachweis von Helicobacter pylori mit dem 13C-Harnstoff-Atemtest
  • Unverträglichkeitsuntersuchungen einzelner Zuckerarten (vor allem Laktoseintoleranz) mit dem Wasserstoffatemtest
  • Rückschluss von Atemgaskonzentrationen auf Blutkonzentrationen, z. B. bei der Atemalkoholbestimmung.

Halitophobie

Ein beträchtlicher Teil der Patienten, die befürchten, dass sie Mundgeruch haben, denken dieses zu Unrecht. Diese Angst vor (dem eigenen) Mundgeruch wird als Halitophobie bezeichnet.

Therapie

Im Vordergrund steht eine zahnärztliche Sanierung, die gegebenenfalls aus der Therapie von kariösen Defekten, einer Zahnfleischbehandlung, einer professionellen Zahnreinigung und einer professionellen Zungenreinigung besteht.

Danach ist bei Fortbestehen der Halitosis trotz gewissenhafter Mundhygiene (Zahnreinigung) eine tägliche Zungenreinigung angesagt. Man setzt den Zungenreiniger mit dem äußeren Ring am hinteren Ende der Zunge an und zieht ihn mit leichtem Druck nach vorn. Die dorsale (hintere) Begrenzung ist der höchste Punkt bei herausgestreckter Zunge („top of the hill“). Weiter dorsal darf nicht gereinigt werden, da die Verletzungsgefahr erheblich zunimmt. Den Zungenbelag spült man dann unter fließendem Wasser ab. Das Ganze wiederholt man etwa 3–4 Mal. Die Anwendung erfolgt jeweils nach dem Zähneputzen. Bei den ersten Zungenreinigungen sollte man vorsichtig beginnen, um keinen Würgereflex auszulösen. Aber auch diese Maßnahme hat nur eine Erfolgsquote von etwa 60 %, da die geruchsbildenden Substanzen sich oft in den Furchen und Grübchen der Zunge befinden, die auch mit einem Zungenreiniger nicht entfernt werden können. Ergänzend sollten deshalb spezielle Zungenreinigungspasten verwendet werden, unterstützt von Mundspülungen.

Mundspülungen

  • mit Salbeitee, Thymiantee, Ringelblumentee, Malventee, spezielle Mundpflegelösungen oder Antibiotika-Lösung (z. B. Metronidazol).
  • mit Xylit-Pulver; hungert schädliche Streptococcus mutans-Bakterien aus und etabliert eine gesunde Mundflora, die Mundgeruch nicht aufkommen lässt.
  • mit Chlorophyll oder Lutschen von Chlorophyll-Dragees.
  • Desodorierende und antibakterielle Mundspüllösungen (Cetylpyridiniumchlorid (CPC), Chlorhexidin, (tötet zuverlässig Bakterien im Mund ab)).
  • Eine Kombination von Zink und Chlorhexidin in geringen Konzentrationen scheint der effizienteste Weg zu sein, um Flüchtige Schwefelverbindungen (VSC, volatile sulfur compounds) zu entfernen, die größtenteils den Mundgeruch verursachen.

Therapie der Grunderkrankung

Häufig trinken, insbesondere Schwarztee, die in ihm enthaltenen Polyphenole, insbesondere das Flavonoid Theaflavin, behindern das Wachstum der Plaquebakterien.

Oft neigen Betroffene zum Überdecken des Geruchs durch den Dauerkonsum von Pfefferminzbonbons, Kaugummi, Mundsprays oder Mentholpastillen oder die Verwendung kosmetischer Mundwasser. Solche Blind- oder Pauschaltherapien bleiben meist erfolglos.

Zunehmend werden probiotische Keime eingesetzt. Die verwendeten Bakterien sind entweder Streptococcus salivarius K12 oder Lactobacillus salivarius WB21, die mittels Lutschtabletten appliziert werden, die der Patient auf der Zunge zergehen lässt. Insgesamt konnte gezeigt werden, dass verglichen mit Placebo-Lutschtabletten die Summe der flüchtigen Schwefelverbindungen deutlich häufiger erheblich reduziert werden konnte, dass sich tatsächlich die bakterielle Zusammensetzung in der Mundhöhle verändert und dass die applizierten Bakterien das Wachstum Halitosis-assoziierter Bakterien unterdrücken.

Das Problem Mundgeruch plagt die Menschheit schon seit Jahrhunderten und kaum jemand lacht noch darüber. Um schlechten Atem zu bekämpfen, spülten die alten Griechen angeblich mit Weißwein, Anissamen und Myrrhe. Die Italiener mischten sich ein Mundwasser aus Salbei, Zimt, Wacholder, Zypressenwurzel und Rosmarinblättern.
Heute geben Amerikaner mehr als eine halbe Milliarde Dollar für Mundwasser aus, das oft nicht mehr enthält als Alkohol und Aromastoffe. Aber die Menschen sorgen sich um ihren Atem. 
Ein Grund dafür mag vielleicht sein, dass wir selbst nicht feststellen können, ob wir Mundgeruch haben oder nicht. Wir müssen uns völlig auf die Freundlichkeit und Ehrlichkeit unserer Freunde verlassen, um dies zu erfahren. 

Was tun Sie also, wenn Sie zu einer wichtigen Besprechung gehen und einfach wissen müssen, ob Ihr Atem Ihnen vorauseilen wird? Sie können versuchen, in ein Taschentuch zu atmen oder Ihre Zähne mit Zahnseide zu säubern.
Wie man Mundgeruch bekämpft hängt davon ab, wie er entstanden ist. In 80 bis 90% der Fälle entsteht Mundgeruch im Mundraum. Meistens durch nichts anderes als durch einen schmutzigen Mund. Oft ist Zahnbelag Schuld, ein fast unsichtbarer Bakterienfilm, der sich ständig neu im Mund bildet. Karies und Zahnfleischentzündung können ebenfalls zu Mundgeruch führen. Karies an sich stinkt nicht, aber die eingeschlossenen Nahrungsmittelreste schon.
Manchmal wird Mundgeruch auch durch etwas anderes den Lungen, im Magen-Darmtrakt oder durch etwas im Körper verursacht. Knoblauchhaltiges Essen ist eine der häufigsten Ursachen.

Die starken Gerüche in Nahrungsmitteln wie Knoblauch, Zwiebeln und Alkohol werden durch das Blut befördert und durch die Lungen ausgeatmet. Eine weitere Ursache für schlechten Atem sowie eine Gefahr für Ihre Gesundheit ist Tabak.
Außerdem können manche Gesundheitsprobleme, wie z.B. Neben- oder Stirnhöhleninfektionen oder Diabetes (wodurch der Atem einen chemischen Geruch annehmen kann) Mundgeruch verursachen. Der erste Schritt gegen Mundgeruch ist offensichtlich, die Ursache zu erkennen. Hier sind einige Tipps, die Ihren Atem frischer machen:

  • Halten Sie Ihren Mund sauber. Das ist das wichtigste. Das bedeutet, mindestens zweimal am Tag Zähne putzen und die Zähne regelmäßig mit Zahnseide säubern. Essensreste und Bakterien, die zwischen den Zähnen festsitzen, können nur mit Zahnseide entfernt werden. Wenn sie nicht entfernt werden, beginnen sie, übel zu riechen.
  • Putzen Sie auch Ihre Zunge. Bakterien auf der Zunge tragen ebenfalls zu Mundgeruch bei. Putzen Sie also auch die Zunge, wenn Sie mit den Zähnen fertig sind.
  • Halten Sie den Mund feucht. Ein trockener Mund kann schlechten Atem bedeuten. Speichel hilft, den Mund sauberzuhalten: er hat eine natürliche, antibakterielle Wirkungsweise und schwemmt Nahrungsreste weg. (Durch den verringerten Speichelfluss in der Nacht entsteht übrigens der schlechte Atem am Morgen.)
  • Kauen Sie zuckerfreien Kaugummi oder lutschen Sie zuckerfreie Pfefferminzbonbons, um die Speichelproduktion anzukurbeln.
  • Spülen Sie. Wenn schon nicht anders, so sollten Sie den Mund nach dem Essen wenigstens mit klarem Wasser ausspülen. Das Spülen oder Gurgeln mit Wasser trägt dazu bei, Essensreste im Mund zu entfernen.
  • Essen Sie Petersilie. Der Stengel Petersilie, der mit Ihrem Essen serviert wurde, kann mehr als nur Ihren Teller verzieren. Zwar kann Petersilie schlechten Atem nicht beseitigen, aber der Geruch des Krauts kann zeitweise den Mundgeruch übertünchen. (Im Prinzip tauschen Sie einen unangenehmen Geruch gegen einen angenehmeren.)
  • Essen Sie das Richtige.
    Nahrungsmittel, die gegen Zahnbelag wirken, können auch Mundgeruch bekämpfen. Wählen Sie Sellerie, Möhren, Erdnüsse oder ein wenig fettarmen Käse, wenn Sie etwas zu knabbern suchen. Eine gesunde Ernährung hilft auch Ihren Zähnen.

Fragen Sie Ihren Arzt bzw. Zahnarzt

Hartnäckiger Mundgeruch kann auch andere Ursachen haben, die behandelt werden können, wie z.B. ein unentdecktes Loch im Zahn oder eine Zahnfleischkrankheit. Manchmal können Essensreste auch in einer angebrochenen Füllung hängenbleiben. Wenn Ihr Zahnarzt Sie untersucht hat und mit Ihren Zähnen alles in Ordnung ist, sollten Sie vielleicht mit Ihrem Arzt darüber sprechen, welche anderen Ursachen Ihr Mundgeruch haben kann.

Hilft Mundwasser?

Mundwasser verdeckt Gerüche. Die Resultate sind jedoch kurzlebig: Zahnforscher sind sich einig, dass Mundwasser die Gerüche nur zeitweilig verdeckt (von ca. 20 Minuten bis zu 2 Stunden). Diese Produkte verhindern auch nicht, dass Mundgeruch entsteht. Auch wenn sie vielleicht dazu beitragen, Bakterien, die Mundgeruch verursachen, abzutöten, so entstehen doch relativ schnell wieder neue Bakterien.
Wenn Sie sich dennoch entschließen, ein Mundwasser zu benutzen, verwenden Sie ein Produkt mit Fluorid, da dies Karies bekämpft, oder aber ein Produkt, das den Zahnbelag entfernt.

 

Der obige Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose.

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